Klimachronik

 Beitrag der Berliner Wetterkarte 19.12.06

 

(nach: Christian Schönwiese, Klimaänderungen, 1995

Klima-Entwicklung der letzten 10.000 Jahre (Aus: http://lbs.hh.schule.de/index.phtml?site=themen.klima)
Zu beachten ist, dass "heute" (rechter Rand der Abb. bei "0") die mittlere bodennahe Atmospärentemperatur bei 15,5 °C liegt, nach den Klima-Szenarien (
die keine Prognose sind!) in den nächsten 100 Jahren über 18 °C steigen wird. Damit liegt "heute" noch unter dem so genannten Klima-Optimum des Mittelalters und der Römerzeit. Man beachte auch, dass man diese Perioden, die durchaus wärmer als heute waren, als optimal ansah/ansieht, während der heutige Temperaturanstieg bereits oft als gefährlich eingestuft wird - was er allerdings bei der Projektion bis 2100 wahrscheinlich sein wird.

Hier nun einige "Kostproben" betreffend Winter/Sommer aus der Zusammenstellung von R. Hennig:

 

1010/11 regierte in ganz Europa ein strenger Winter, auf dem Bosporus und selbst auf dem Nil gab es Eis. Dagegen hatte es in den Jahren
999/1000 zwei Sommer von unerhörter Hitze und Trockenheit gegeben, alle Flüsse und Quellen trockneten aus.
1076/77 Der "Canossa"-Winter herrschte in ganz Europa von Ende Oktober bis Mitte April; die Flüsse waren vom 26.11. bis Mitte März zugefroren.
1185/86 Dagegen war dieser Winter von ungewöhnlicher Milde, wohl der mildeste, den Mitteleuropa je erlebt hat: Im Januar blühten in der Schweiz die Bäume, im Februar fand man kleine, haselnussgroße Äpfel, im Mai waren die Feldfrüchte und das Getreide, Anfang August die Trauben reif.
1201-1205 vier strenge Winter folgten aufeinander.
1210/11
1211/12
1215/16
Winter waren ebenfalls sehr kalt. Im Januar 1216 fror sogar der Pol zu.
1227/28 Sehr heißer Sommer (in der Schweiz) in Europa einen sehr milden Winter und Frühling: Im April blühten die Weinstöcke, die Getreide war vor Johanni (24. Juni), die Trauben reiften Ende Juli.
1268/69 herrschte vom 30.11. bis 2. Feb. ein sehr strenger Winter; Themse, Skagerrak und Kattegatt froren zu.
1289/90 ein Winter "von unerhörter Milde", dem nur der Winter 1185/86 gleich kam : Um Weihnachten blühten die Bäume, die Mädchen kamen mit frischen Blumen geschmückt zur Kirche, und die Knaben badeten in den Flüssen; am 6. Jan. brühteten Vögel; am 14. Jan. fand man Erdbeeren, und die Rebstöcke begannen zu blühen.
 
1342 1342 sehr regenreich mit häufigen und z.T. beispiellosen schweren Überschwemmungen.  
Im Einzelnen gab es

- am 2./3. Feb. furchtbare Überschwemmungen in Österreich und Böhmen
- im April große Kälte und nachfolgend schwere Main- und Rhein-Überschwemmungen aller Flüsse vo unerhörter Furchtbarkeit; der Rhein und die Maas erreichten eine auch nicht annähernd je wieder erreichte Höhe, in Mainz floss das Wasser im Dom und in Köln konnte man in Kähnen über die Stadtmauer fahren. (Von dieser Zeit Überschwemmung stammen auch die höchsten Hochwassermarken am Main bei Frankfurt und Seligenstadt, die fast drei Meter über den neuzeitlichen Rekordmarken der 1990er Jahre liegen)
1383-1391 traten sechs sehr milde Winter nacheinander auf
1398/99 sehr strenger Winter; Ostsee fror völlig zu, so dass man mit Wagen z.B. von Lübeck nach Dänemark fahren konnte.
1420- 1428 alle Winter waren sehr mild. Dabei blühten in der Schweiz im März die Bäume, am 7. April die Rosen, im Mai die Weinstöcke.
1429/30 sehr strenger, langer und schneereicher Winter; in Preußen lag eine Schneedecke ununterbrochen vom 11.11. bis 22.02. ; die Weichsel war vom 11.11. bis 23.04. gefroren.
1431-1443 gab es 11 (von 13) Jahren strenge Winter
1473 außerordentlich trockenes, sehr warmes Jahr, vielleicht das trockenste, das je vorgekommen ist; größte Dürre vom 20.06.-29.09, in Böhmen vom 12.03. bis 24.08.; die Donau konnte man sogar in Ungarn durchwaten; ende Juni waren die Trauben reif; der Böhmerwald brannte 18 Wochen lang; im Oktober blühten zum zweiten Mal- am 11. Nov gab es reife Kirschen.
1489 begann eine Serie kalter Jahreszeiten.
1490-1503 Von 14 Wintern sind 8 sehr kalt
1503 trug der zugefrorene Po die Geschütze des Heeres von Papst Julius II
1540 war ein unerhört heißes und dürres Jahr in Mitteleuropa, auch in England, wahrscheinlich das heißeste, das je vorgekommen ist und neben den Jahren 1000 und 1473 auch das dürreste; in Zürich fiel vom 28.02. bis 19.09 nur 4x Regen
1564/65 folgte wieder ein strenger Winter, danach werden die Abstände strenger Winter kürzer:
1570/71,
1572/73
kalte Winter, Bodensee fror 1573/73 zu
1578-80 sehr kalte Winter
1599 sehr heißer aber nicht zu trockener Sommer; in der Schweiz genoss "das gute fruchtbare Jahr" und "der Neunundneunziger Wein" noch lange Zeit guten Ruf
1607/08 ein ungemein strenger Winter, der "große Winter" genannt; in ganz Europa war er neben 763/64 und 1739/40 der kälteste der je vorgekommen ist.
Seit Beginn der "Kleinen Eiszeit" (ca.1550) finden nur noch selten Berichte über warme Sommer, dagegen über viele kalte Winter.
1657/58 äußerst strenger und schneereicher Winter in Europa; bis zum 07.06. blieb es kalt. Die Schweden unter König Karl X. marschierten mit allen Geschützen über den gefrorenen Öresund (28.02.) und zwangen die Dänen zum Frieden von Roskilde.
1739/40 war wohl der strengste Winter überhaupt; er dauerte vom 24.10. bis 13.06.; schon am 27.11. wurde in Dresden - 20.25 ° R (=-25 °C) gemessen; noch im April waren in Deutschland die Brunnen gefroren, und erst am 13.06. trat in Deutschland der letzte Frost auf.
Literatur
R. Hennig: Katalog bemerkenswerter Witterungsereignisse von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1800. Abhdl. Kgl. Preuß. Met. Inst., Bd II, No 4 (1904)

K.-H. Bernhardt, C. Mäder; Statistische Auswertung von Berichten über bemerkenswerte Witterungsereignisse seit dem Jahre 1000. Z. Meteorol., 37,2,120-130 (1987)

K.-H. Bernhardt, G. Helbig, P. Hupfer, R.K. Klige: Rezente Klimaschwankungen. In: Das Klimasystem der Erde, Akademie-Verlag Berlin (1991)